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Im Spätsommer 1947 - Kamerad Karl Kaiser war 1. Vorsitzender und
auch Bootshausverwalter, der dort wohnte.
Zu dieser Zeit noch Gymnasiast, suchte Mutter nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung
für die Jungens. Durch die Bekanntschaft mit Fritz Baumann, Familie
Bungert und unserer Mutter kam ich zum MKV.
Es war Nachkriegszeit, wo alle noch Lebensmittel organisieren mußten.
Die Vorbilder für uns -Studienräte, Politiker, aber auch Vereinsfunktionäre-
hatten ja größtenteils "glorreiche Erfahrungen" sammeln
können oder auch müssen. Kernige Sätze wie "Ordnung
ist der erste Grundsatz unseres Vereins und jedem Mitglied eine Pflicht"
wurden sogar im Rundschreiben verkündet. Ebenso wurden Verbote mitgeteilt:
nächtliche Bootsfahrten mit dem Zweck, Kartoffeln, Getreide und Obst
zu organisieren und dabei unser Bootshaus als Lager- oder Umschlagplatz
zu benutzen. Sie sollen an der Tagesordnung gewesen sein, aber eindringliche
Verwarnungen wurden in den Wind geschlagen. Wer immer noch dagegen verstoßen
sollte, wurde mit rücksichtslosem Ausschluß aus dem Verein
bedroht.
Ab 1. April 1948 wurde ich als Mitglied geführt und Leo Heinrichs
war gerade zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt worden.
Es war das erste Jubiläum des MKV -25 Jahre-, daß von den
damaligen Vorstandsmitgleidern, Heinrichs, Hennenbruch, Mallock, Kaiser,
Hahn, Tromp und Kaldenhoff geplant wurde. Eine Festzeitschrift sollte
erstellt werden und eine Regatta am 19. und 20. Juni 1948 durchgeführt
werden, bei der auch die Teilnehmer verpflegt werden sollten. Die Verpflegung
scheiterte, trotz guter Kontakte von Karl Kaiser an der Forderung "zu
vieler Lebenmittelmarken" der Firma Möhlenbeck. Auch sollte
bis zum 12. Juni ein neuer Vierer-Kajak von Edi Kleckers Bootsbau geliefert
werden, dessen Finanzierung durch Kompensationsgeschäfte gesichert
wurde. Was im Vorfeld keiner wußte, der Ragattatag 20.6. war auch
der Tag der Währungsreform.
Ein Anbau neben dem Bootshaus für die Rennboote wurde auch beschlossen.
Robert Springmann war immer noch nicht aus der französischen Gefangenschaft
zurück.
1949 wurde ein Herrenabend einberufen mit kostenloser, schmackhafter
Erbsensuppe, gestiftet von Hans Pieper. Die Damen waren aber nicht richtig
mit dem Herrenabend einverstanden. Die Herren lenkten ein, und der nächste
Abend war dann ein "Herrenabend mit Damen".
Disziplin wurde jetzt aber auch gefordert; von Ende Mai bis 1. Juli ein
Start- und Trainingsverbot einschl. der Regatta in Linden-Dahlhausen für
die 4-er Besatzung Volker Wislicemus, Otto Steinfartz, Willi Boes und
Erwin Becker, sie hatten beim Heraustragen des 4-er Rennkajaks das Steuerblatt
angeblich mutwillig zerbrochen. Die deutsche Meisterschaft in Starnberg
war das herausragende Rennsportereignis. Ab dann gab es aber auch für
viele Jahre den Vereinsnikolaus Erich Hahn.

1950 - wurde der Beitrag für Jugendliche von 0,50 auf 1.-DM erhöht,
der Haushaltsvoranschlag betrug 4 100.-DM. Der erste Bauausschuß
wurde für Umbaumaßnahmen gewählt. Sehr wichtig erschien
dann, daß alle Mitglieder einheitliche Sportkleidung (blaue Sporthose
mit weißen Biesen und weißes Hemd mit Vereinsabzeichen) beim
betreten des Bootshauses und der Fahrt zum Wasserbahnhof tragen mußten.
Außerdem der Beschluß: nicht verheiratete Damen und Herren
dürfen auf dem Lagerplatz nicht zusammen schlafen. Im Boot durfte
nicht mehr geraucht werden und keine Plattenspieler verwendet werden,
wegen des Ansehens des Vereins.
1951 - wurde der 1. Bauabschnitt des Umbaues beendet.
1952 - Wanderwart Rudi Rühl erklärte auf der Jahreshauptversammlung:
Die Wanderfahrt ist das Beste zur Förderung der Kameradschaft, ist
nicht nur Sport der Muskeln sondern auch Ausgleich der Seele und des Geistes!
Bringen Sie das mal heute.
Ehepaar Schmidt übernimmt die Bootshausverwaltung und wird mit pro
Monat mit 100.-DM bezahlt. Es ist auch Olympiajahr. Bei Gaststätte
Schäfer steht einer der ersten Fernseher und während dieser
Zeit findet ein Ferienlager auf der Vereinswiese Schmitz unter Aufsicht
von Ria und Erich Hahn statt. Während dieser Zeit sollen Teilnehmer
gegen die Trainingsverpflichtung verstoßen haben, sich ungebührlich
benommen haben und damit eine Schädigung des Vereins bewirkt haben.
Die Trainingsmannschaftsmitglieder Else Hartmann, Rolf Letzing (Oma),
Zdenko Scholz (Bubi), Walter Wittenberg und der Verfasser des Berichtes
wurden ab dem 6.9.1952 mit einem vierteljährigem Bootshausverbot
bestraft. Begnadigt wurden sie am 8.11.1952. Günstig wirkte sich
das Verbot für die Rohbauarbeiten an Roberts Haus am Flughafen aus,
das Training wurde auf Bauarbeitermuskeln verlegt. Hermann Springmann
hatte die Erlassung der Reststrafe beantragt. Die ersten Wanderfahrerabzeichen
wurden erworben.
1953 - Den Jugendlichen wurde das Ballspielen in der Bootshalle untersagt.
Wanderwart Rudi Rühl wünscht die Trennung der Vereinsjugend
in Rennmannschaft und Sonstige. Die Jugend- und Trainingsmannschaft spielt
bei dem "Götz von Berlichingen" tragende Rollen, sammeln
die Gagen und kaufen den 1. Renneiner aus Dänemark als Schülerboot.
Der Einer wird heute noch als "Götz" vom Verfasser gefahren.
1954 - Hermann Springmann ist jetzt Sportwart. Im Mai ist eine große
Bootstaufe mit prominenten Paten: Oberstadtdirektor Bernhard Witthaus,
Ehrenvorsitzender des Stadtverbandes Martin Gerste, Herr Reimer vom Jugendamt
und Curt Seder, der Darsteller des Götz von Berlichingen.
1955 - Ein neuer Anlager ist da, gewisse Schwierigkeiten gibt es mit
dem Verwendungsnachweis. Den gab es auch mit der Zuschußabrechnung
von Rudi Rühl. Er legte alle Ämter nieder, verließ die
Versammlung und gründete anschließend die Kanugilde. Kamerad
Hein Brinkmann erringt mit 1023 km im Jahr zum 5. Mal das Wanderfahrerabzeichen
und das "Silberne" wird beantragt. Dieses ist aber nur der Beginn
einer bis heute andauernden Wanderfahrerkarriere.
1956 - Für die Benutzung des Bootshauses anläßlich von
Familienfeiern wird in Kostenbeitrag von 20.-DM festgelegt. Die Genehmigung
behält sich der Vorstand jeweils vor. An der Ruhr wird ein polizeiliches
Badeverbot auch im Verein durchgesetzt.
1957 - Der Wirt vom Wasserbahnhof Mintard darf nicht weiter verärgert
werden. Toilettenbenutzung, waschen, rasieren und wasserholen muß
bis morgens 9.oo Uhr erledigt sein. Kinder sollen nicht alleine zum Waschen
gehen, Lärm ist zu vermeiden. Disziplin ist von den Zeltplatzbenutzern
unbedingt zu halten. Ein geplanter Arbeitsdienst läßt sich
nicht einführen.
1958 - Mattes Möntenich leitet das Training und ist vom DKV-Vorsitzenden
Otto Vorberg bestens empfohlen. Leo Heinrichs ist seit 10 Jahren 1.Vorsitzender
und ich bin genau so lange Mitglied. Ich dachte, so langsam läuft
die Zeit der kernigen Aussagen ab, dann wird doch tatsächlich beantragt,
am Ende einer Versammlung ein gemeinsames Fahrtenlied zu singen.
1959 - Das Jahr der Wanderfahrer. Es werden über 30 verschiedene
Gewässer befahren und 12 Wanderfahrerabzeichen verliehen, es werden
fast 16 000 km laut Fahrtenbuch gefahren. Schließlich war die neue
Rennboothalle fertig zu bauen, eine Aufgabe für das nächste
Jahr.

1960 - begann mit allerlei Beamtenschriftverkehr. Am 16.1. erreichte
uns eine Ordnungsverfügung des Hochbauamtes bezüglich der Erweiterung
der Rennboothalle. Es wurden Abweichungen vom Bauantrag festgestellt.
Hierdurch war eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
gegeben. Innerhalb von 4 Wochen Bestandszeichnungen der tatsächlichen
Ausführung bei der Bauaufsicht einzureichen, andernfalls wird ein
Zwangsgeld von 100.-DM fällig. Wir haben es erledigt. Die nächste
Meldung kam im März von der Ruhrschiffahrtsverwaltung, betreffend
Registrierung der Sportboote. Alle Boote waren mit 10 cm hohen Buchstaben
und Zahlen zu kennzeichnen und zwar oberhalb der Wasserlinie, dabei helle
Farbe auf dunklem Grund und umgekehrt. Der Bootsnahme ist mindestens 12
cm hinter der amtlichen Kennzeichnung anzubringen. Von unserem Verein
wurden zunächst 120 Nummern vergeben. Wieder ist der Antrag für
einen Pflichtarbeitsdienst auf dem Tisch, er wird aber abgelehnt. Die
notwendigen Arbeiten sollen durch die Trainingsmannschaft erledigt werden.
Totalausfall bei den Wanderfahrern, nur noch ein Wanderfahrerabzeichen.
Dieses führt aber zum 1. Goldenen Abzeichen für Hein Brinkmann
und den MKV.
1961 - finden zum 50. Male die Jugendfestspiele statt. Eine gemeinsame
Kanu- und Ruderregatta wird vom Sportamt gewünscht. Im April werden
die Einhaltung von 8 Punkten der Trainingsverpflichtig gefordert. Einzige
Änderung gegenüber früher: Man hatte nichts mehr gegen
das andere Geschlecht. Am 16. September wurde mit großer Beteiligung
die Jugendfestspielregatta durchgeführt.
1962 - In der Jahreshauptversammlung vom 10. Februar wird in geheimer
Wahl Hermann Springmann zum 1. Vorsitzenden gewählt und löst
damit nach 14 Jahren Leo Heinrichs ab. Ich übernehme den Posten des2.
Kassierers, um gegebenenfalls Ria Hahn als 1. Kassiererin 1963 abzulösen.
Zum erstenmal Mal kam es zum ernsten Meinungsaustausch Kanuten und Ruderer
gegen Auswüchse des Motorbootsports. Es ist zeitweise ein heißes
Thema, im laufe der Jahre beruhigt es sich aber.
1963 - 1. Kassierer und Erstellung eines Haushaltvoranschlages. In dieses
Jahr fällt das 40-jährige Vereinsjubiläum, das natürlich
entsprechend gefeiert werden soll. Ein Festausschuß soll ein angemessenes
Programm erstellen. Mit unserem Nachbarverein MRG wird ein Vertrag über
externe Anbauten zu den Grundstücksgrenzen geschlossen und die Zufahrt
zur Rennboothalle des MKV über das MRG-Grundstück geregelt.
Für das Vereinsjubiläum werden Festlegungen getroffen. Der Festakt
mit Musik eines Streichquartetts, Ansprachen und Enthüllung einer
Gedenktafel der Kriegsopfer und den Bootstaufen. Termin 14. September.
Das Bootshaus wird mit viel Arbeit auf Hochglanz gebracht, denn prominente
Gäste sind angesagt. Alle Veranstaltungen zusammengerechnet ergaben
am Ende einen geringfügigen Überschuß von 75,90 DM.
1964 - Der Vorstand muß sich mit einigen Beschwerden und weniger
erfreulichen Punkten beschäftigen. Das waren die wesentlichen Einzel-
heiten: Es werden Gäste mitgebracht, sind aber auch gerne gesehen,
nur nicht in Kegelclubgröße. Gäste benutzen das Bootshaus
auch schon ohne Mitgliedertreff. Fehlende Eintragungen im Gästebuch
und Zahlung des Gastgeldes. Boote werden ohne Vollmacht des Besitzers
durch Gäste benutzt. Die vorgeschriebene Vereinskleidung wird nicht
getragen. Boote sind nicht entsprechend der Wasserschutzpolizei gekennzeichnet.
Umkleideräume sauber halten und das Badeverbot in der Ruhr beachten,
keine Autos auf dem Vereinsparkplatz waschen.
1965 - ist dann der herausragende Punkt: Um- und Neubau des Bootshauses,
der in der außerordentlichen Versammlung vom 27.11. beschlossen
wurde. Die Umbaupläne und die Art der Finanzierung der Kosten in
Höhe von 246 716.-DM fanden die Zustimmung der Mitglieder. Die Umlage
für jedes Mitglied wurde mit 250.-DM festgelegt. Ratenzahlung und
Arbeitsleistung (je Stunde werden mit
5.-DM verrechnet) sind möglich. Der Bauausschuß hat noch vor
Weihnachten getagt und die Einzelverantwortlichkeiten festgelegt. Es
wird das bisher übliche "Sie" auf Antrag des Ehrenvorsitzenden
durch die Ansprache "Kamerad" ersetzt.
1966 Einzelheiten der Verlaufs sind auch in den Festschriften zum 50-
1967 und 60-jährigen Jubiläum festgehalten. Aber der Sportbetrieb
und 1968 die Wanderfahreraktivitäten wurden aufrecht erhalten.

1970 - Die neuen Clubräume werden fleißig genutzt. Neue Benutzergebühren
für Privatfeiern werden festgelegt.
1971 - Bootstaufen der 7-er Canadier "Nasenbär" und "Schnarchhahn"
, 4 Renneiner und 2 Rennvierer und Preisverhandlungen mit Familie Bröckelmann
wegen der Getränke. Das Gastgeld ist wieder einmal Thema und Regeln
für Beitragsermäßigung oder Befreiung werden festgelegt.
1972 - Unser Anleger muß verlängert werden und der alte Herrenumklei-deraum
für die Rennmannschaft genutzt werden. Die Vereinsjugend verlangt
Auskunft über die Geldverwendung in diesem Bereich. Erste Überlegungen
zum 50-jährigen Vereinsjubiläum.
1973 - Ein Fest- und Wirtschaftsausschuß soll gebildet werden.
Der Parkplatz wird asphaltiert und eine neue Musikanlage installiert.
Termin für die Festwoche ist der 26. Mai bis 2. Juni. Die erste Bootsbauwelle
ist voll im Gange. Die Handwerker benötigen einiges an Laminatwasser.
Lagerwiese von Schmitz in Mintard wird wieder neu angemietet.
1974 - Die Ehefrauen erhalten das Wahl- und Stimmrecht, ein Familienbeitrag
wird eingeführt und ich übernehme den Job als Pressewart. Der
Jugendleiter wird jetzt Mitglied im geschäftsführenden Vorstand.
1975 - Ab jetzt ist der Verfasser der 2. Vorsitzende und die Kanupologruppe
wird gegründet. Allerlei Neuanschaffungen u. a. ein Satz Poloboot,
Terassenstühle, 2 Bootsanhänger und der Stammtisch. Allen Ernstes
wird diskutiert evtl. Titel in die Adresse aufzunehmen, außer "Dr."
gibt es keine Titel.
1976 - Saunabau-Vorschlag kommt, für einige Jahre ein Dauerbrenner.
Der Verein ist nach dem Großumbau wieder schuldenfrei. Der Zeitaufwand
für die Vorstandssitzungen wird immer größer, es müssen
straffere Einzelheiten erörtert werden; es wird doch tatsächlich
die Führungskompetenz des 1. Vorsitzenden angezweifelt. Ein neuer
Bus ist angeschafft. Das Bild des Bootshauses wird als Kohlezeichnung
des Malers Hans Fischer vorgestellt, die Reproduktion als Geschenk bei
besonderen Anlässen beschlossen. Ehrung für 40 Jahre Mitglied
im Verein für Lissi Hennenbruch, Hilde Tromp, Willi Rebbelmund, Hermann
und Robert Springmann mit einer kleinen Feier.
1977 - Ilse Heinrichs ist 40 Jahre Mitglied und unser langjähriges
Kastellan Ehepaar Brökelmann will uns verlassen. Elektroinstallationen
und Anleger müssen technisch auf den neuesten Stand gebracht werden.
In das Radfahrverbot für Trainer auf dem Leinpfad hat sich die Presse
eingeschaltet. Als Nachfolgekastellan kommt die Familie Reimann Ende des
Jahres zu uns.
1978 - Der langjährige 1. Vorsitzende Hermann Springmann legt die
Vereinsführung in jüngere Hände. Sein Nachfolger ist der
Verfasser dieses Berichtes. Ein Kinderspielplatz soll angelegt werden,
die Eingangstreppe wird erneuert. Erfolge der Polo- und Rennsportler im
laufe der Saison.
1979 - Reperaturarbeiten wie Holz streichen und das Dach teeren fallen
an. Strenge Festlegung der Schlüsselgewalt verschiedener Mitglieder
bezüglich der Bootshalle. Ein neuer 7-er Canadier ist angeschaft
worden und die Familie Reimann wird uns zum Jahresende verlassen.
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